Teil 2 des Sonderberichts über den Ethanolkraftstoff E10 Über den Sinn von Biosprit lässt sich streiten. Zur Erzeugung von Bioethanol, in Deutschland zumeist aus Weizen und Zuckerrüben gewonnen, werden Anbauflächen von enormen Ausmaßen benötigt, die nicht mehr für den Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung stehen. Das Londoner Institut für europäische Umweltpolitik (IEEP) hat ermittelt, dass bis zum Jahr 2020 für den Anbau weltweit bis zu 69.000 qm Ackerfläche kultiviert werden müssten. Dadurch entstünden zusätzlich 56 Mio. Tonnen Kohlendioxid - um einiges mehr als durch das Tanken von Biosprit eingespart werden könnte. Dies wird allerdings vom Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) bestritten.
Um mindestens 35 % sollen sich die CO2-Emissionen durch E 10 verringern. Doch dass der Biosprit dazu geeignet ist, wird von vielen Wissenschaftlern angezweifelt. Immerhin fällt hier für Herstellung und Transport zusätzlich ein enormer Energieaufwand an. Darüber hinaus bringt die Verdopplung des Ethanolanteils im Kraftstoff eine geringere Energiedichte mit sich. Hierdurch erhöht sich der Spritverbrauch beim Fahren - und damit auch der CO2-Ausstoß. Derzeit ist auch noch völlig ungeklärt, wie genau sich das veränderte Mischungsverhältnis auf die Abgas-Zusammensetzung auswirkt. Genauer gesagt: Es stellt sich die Frage, ob hier vielleicht giftige Stoffe entstehen. Zur Einführung von E 10 wäre es sinnvoll gewesen, den Biosprit günstig - im Optimalfall günstiger als tags zuvor noch das herkömmliche Benzin - anzubieten, sozusagen als Einführungsangebot. Doch die Mineralölkonzerne verkauften E 10 in vielen Bundesländern ab dem Starttag sogar teurer und versuchten so, ihre hohen Umrüstungskosten schnellstmöglich an die Kunden weiterzugeben. Diese spielten jedoch das Spiel nicht mit und ignorierten den neuen Kraftstoff. Wegen der mangelnden Nachfrage senken inzwischen einige Mineralölkonzerne probehalber an manchen Tankstellen die Preise für E 10. Ob sich dadurch die Verbraucher am Ende doch noch zum Kauf bewegen lassen, bleibt abzuwarten.
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