Sonderbericht Ethanol-Kraftstoff E10Von den meisten Verbrauchern nahezu unbemerkt, kam mit Beginn des Jahres 2011 in Deutschland der neue Kraftstoff „E10" auf den Markt. Seinen Namen verdankt er dem beigemengten Bioethanol-Anteil von 10 %. Dieser betrug bisher bei Benzin nur 5 %. Die verdoppelte Menge soll zum einen den CO2-Ausstoß verringern und zum anderen ein Schritt in die Unabhängigkeit von den Öl fördernden Staaten sein. Mit diesem Ziel wurde die Richtlinie 2009/30/EG des Europäischen Parlaments erlassen, nach der alle Mitgliedstaaten einen Ottokraftstoff mit bis zu zehn Volumenprozent Bioethanol auf den Markt bringen müssen. Das bisherige Benzin wird für Fahrzeuge, für die E 10 nicht geeignet ist, noch bis mindestens 2013 angeboten.
Da allerdings Informationen über den neuen Kraftstoff zunächst nur tröpfchenweise durchsickerten, wurde er von den Autofahrern weitgehend ignoriert. Obwohl sich mit Einführung von E 10 der Preis für das bisherige Benzin schlagartig verteuerte, füllten die meisten Kfz-Lenker ihre Tanks weiterhin damit, wie gewohnt. Die extra mit auffallenden Aufklebern gekennzeichneten E 10-Zapfsäulen wurden kaum angesteuert, dafür wurde das herkömmliche Benzin bald knapp. Eine Untersuchung des Automobilclubs ADAC ergab, dass etwa 85 % der deutschen Autofahrer den Biosprit ablehnen. Ca. 40 % der Befragten zweifeln an dessen vermeintlichen Vorteilen für die Umwelt; 10 % sind davon überzeugt, dass sich durch E10 der Kraftstoffverbrauch ihres Kfz erhöhen würde. Obwohl laut Umweltministerium etwa 90 % der Autos in Deutschland den Biosprit vertragen, hegen etwa 36 % der Befragten die Befürchtung, ihr Auto könne dadurch geschädigt werden. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) nennt konkrete Zahlen: Etwa 3,1 Mio. Personenkraftwagen und etwa 1 Mio. motorisierter Zweiräder können nicht mit E 10 betrieben werden. Zu befürchten sind wegen der korrosiven Wirkung von Bioethanol Schäden an allen Kraftstoff führenden Teilen, besonders solchen aus Aluminium, aber auch an Teilen aus Gummi und Kunststoffen, die schnell porös und somit unbrauchbar werden.
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